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Nein, Piacenza im Nord-Osten der Emilia-Romagna gelegen gehört nicht zu jenen italienischen Städten, die mit ihrer Fülle an prachtvollen Bauten und Kunstschätzen nur so protzen können. Etwas düster ist die Stadt mit ihren engen Gassen und Straßen, was noch heute zurückzuführen ist auf das wenig großzügige Raster, welches der 218 v. Chr. gegründeten Gemeinde in antiker Zeit auferlegt wurde.Erschaffen wurde Piacenza als Militärstadt; die Siedlung diente der Verkehrskontrolle auf dem Fluß Po. Diese Tradition lebt bis heute weiter - alte Klöster dienen als Kasernen und in manchen Hotels wohnten 1999 jene deutschen Soldaten, die vom Luftwaffenstützpunkt Piacenza aus in den Kosovo-Krieg flogen.
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Weil Piacenza der Reichtum für teure Marmorbauten fehlte, ist die Gemeinde eher von Ziegelsteingebäuden geprägt. Gleichwohl bricht hier keineswegs Tristesse aus. Die Einwohner haben es verstanden, aus mancher Not eine Tugend zu machen. So sind die Wände vieler Innenhöfe mit Säulen oder Landschaften bemalt, so daß die kleinen Räume optisch erweitert werden. Gezeigt werden die schöne Höfe erst seit dem 17. Jahrhundert. Damals wurden in der Provinz Erzfunde gemacht. Reichhaltig verzierte schmiedeeiserne Gitter ersetzten fortan die schweren Holztüren vor den Palasthöfen.
Trickreich schafften es die Architekten auch, die Fassaden der Paläste in den engen Gassen zur Geltung zu bringen. Die Gebäude enden nicht im rechten Winkel, sondern münden in eine 45-Grad-Schräge, so daß eine Zwischenfront geschmeidig die Seitenansicht der Fassaden verlängert. Im Jubiläumsjahr 2000, als die Pilger Italien auf dem Weg nach Rom durchquerten, machten viele von ihnen auch in Piacenza, der "Stadt der 100 Kirchen", Station. Die Kirche Santa Maria di Campagna, Bauzeit zwischen 1522 und 1528, ist ein prächtiger Renaissance-Bau, errichtet als Heimstätte einer Madonnen-Statue, der die Vollbringung von Wundern nachgesagt wird. Wichtige Kirchen sind weiterhin San Savino, eines der bedeutenden romanischen Bauwerke Norditaliens oder die Renaissance-Bauten San Sisto und San Sepolcro des Architekten Alessio Tramello.Den guten Ton trifft die Kirche San Francesco, ein Beispiel gotisch-lombardischer Architektur: Das Haus ist groß und imposant genug, um Gott zu preisen, in seiner stilvoll zurückhaltenden Einrichtung fehlt aber der oft so einschüchternde Machtanspruch der Kirche, der in den so reich geschmückten anderen Häusern sichtbar wird. Mögliche Geburtstätte des modernen Sponsoring könnte der Dom (1122-1349) von Piacenza sein. Die Zünfte der Schuhmacher, Stoffverkäufer, Radmacher, Gerber und Bäcker haben als Finanziers des Baus in den Säulen ihre Handwerkskunst als Relief hinterlassen. Der Färber Ugo Tintor wird auf seiner "Werbetafel" sogar namentlich erwähnt.Sehenswert sind im Dom nicht nur die beeindruckenden Fresken, sondern auch die Krypta, deren 120 Säulen auf engstem Raum plaziert und sämtlich mit unterschiedlichen Kapitelen geschmückt sind. |
Eine große Rolle in der Geschichte der heute 100 000 Einwohner zählenden Gemeinde spielt das Herrscherhaus der Farnese, die mit Paul III. 1534 zwar einen Papst stellten, bis zum Untergang ihres Herzogtums 1732 aber ungeschickt agierten. Geblieben ist der Palazzo Farnese (1558-1660), ein nie ganz fertiggestellter, wuchtiger Backsteinbau, in dem sich heute das Stadtmuseum befindet. Bewundert werden kann hier die das Jesuskind anbetende Muttergottes des florentinischen Renaissance-Malers Sandro Botticelli. Neben der Gemäldegalerie sind hier auch eine Waffen- und Kutchensammlung beherbergt. Interessant ist die bronzene Leber aus der Zeit der Etrusker.
Herzstück der Stadt ist der "Pferdeplatz", die Piazza Cavalli. Hier steht der Palazzo Gotico (1283). Das Ziegelsteingebäude, teilweise mit Marmor aus Verona verziert, ist als ehemaliges Rathaus eines der bedeutendsten weltlichen Bauwerke aus der Zeit der Gotik. Seinen Namen erhielt dieser Platz in Anlehnung an die zwei Reiterstatuen von Franscesco Mochi, die die Piazza schmücken. 16 Jahre, von 1612 bis 1628, arbeitete Mochi am Design der Standbilder, die Alessandro Farnese und seinen Sohn Ranuccio hoch zu Roß zeigen. Kunsthistorisch sind die Bronzefiguren von Bedeutung, weil sie zu den ersten Barockskulpturen zählen, in denen die Bewegung von Roß und Reiter ihren Ausdruck finden. Piacenza ist kein Ort, an dem sich mit offenem Mund staunen ließe. Für den aufmerksamen Besucher aber lohnt sich ein Ausflug hierin allemal. Alle zwei Jahre übrigens hat Piacenza Gäste aus aller Welt, immer dann, wenn die ortsansässigen Knopf-Hersteller die neuen Designs der kleinen Verschlüsse vorstellen. |
| Quelle: pairola-media |